Wie „BlaBlaCar“ die Konkurrenz übernahm und was du davon lernen kannst

am 24 Okt 2016 in Aktuelles, Projektarbeiten & Studien von
Bisher unkommentiert »

Wenn ihr wie ich innerhalb von Deutschland oft und möglichst günstig mehrere hundert Kilometer hinter euch bringt, sind euch Fernbus, Bahn und Mitfahrgelegenheit bestimmt bekannt.

ICE

Quelle: http://www.bahnbilder.de/bilder/intercityexpress-1090-sprinter-muenchen-hbf-190526.jpg

Fernbus

Quelle: http://www.mobilaro.de/wp-content/uploads/2012/10/MeinFernbus_Bus.jpg

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich bei der Suche nach einer Fahrt von Mosbach nach Hamburg oft auf die Internetplattform „Mitfahrgelegenheit.de“ zurückgegriffen habe. Einmal habe ich tatsächlich auch eine Fahrt darüber gebucht. Doch als im Jahr 2013 dann auf einmal diese neue Online-Community „BlaBlaCar“ mit in den Suchergebnissen aufgetaucht war, wurden die Fahrten auf „Mitfahrgelegenheit.de“ immer dürftiger. Irgendwann hatte ich das Gefühl, es würden hier nur noch Fernbus- und Bahnfahrten angeboten werden.

Wohin waren die ganzen Fahrer verschwunden?

Im Umkehrschluss bot die Plattform „BlaBlaCar“ immer mehr Fahrten für meine gesuchte Strecke an.
Okay, das beantwortet wohl die Frage.

Doch warum wechselten auf einmal alle Fahrer von der jahrelang führenden Internetplattform „Mitfahrgelegenheit.de“ zu dem Neuling „BlaBlaCar“?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir einen Blick auf die jeweiligen Geschäftsmodelle der beiden Plattformen werfen und wie diese sich unterscheiden. Doch zunächst schauen wir uns die Entwicklung der beiden Plattformen etwas genauer an.

BlaBlaCar vs. Mitfahrgelegenheit

  • 2001 wurde „Mitfahrgelegenheit.de“ von der carpooling.com GmbH gegründet, ebenfalls dazu gehörte „Mitfahrzentrale.de“. Diese beiden Plattformen waren in den vergangenen 14 Jahren das Synonym für das Mitfahren in Deutschland schlechthin.
  • 2006 wurde die Gesellschaft „Comuto“ in Paris gegründet, mit dem Ziel, ein europaweites Netz aus Mitfahrzentralen aufzubauen. Die Internetplattformen von „Comuto“ werden unter der Marke „BlaBlaCar“ betrieben.
  • 2009 wurde die iPhone-App und 2010 die Android-App von „BlaBlaCar“ veröffentlicht.
  • Im April 2013 wurde BlaBlaCar gebührenfrei in den deutschen Markt eingeführt.
  • 2013 führte „Mitfahrgelegenheit.de“ Gebühren für Fahrtanbieter ein.
  • Im April 2015 gab „BlaBlaCar“ die hundertprozentige Übernahme der carpooling.com GmbH bekannt.
  • 2016 beginnt „BlaBlaCar“ schrittweise die Einführung eines Onlinebezahlmodells.
  • 2016 agiert „BlaBlaCar“ in 20 Ländern weltweit mit über 10 Millionen Nutzern.

Ist BlaBlaCar eine Online-Community?

BlaBlacar und Mitfahrgelegenheit.de lassen sich in die Kategorie Online-Community hineinstecken. Doch was genau versteht man unter einer Online-Community? Janzik (2011) hat dies folgendermaßen definiert:

„Eine Online-Community wird als Zusammenschluss von Individuen definiert, die ein gemeinsames Interesse und/oder Ziel teilen und sich regelmäßig virtuell mit Hilfe einer technischen Plattform im Internet treffen, um miteinander zu kommunizieren und Informationen auszutauschen.“

Das gemeinsame Interesse oder Ziel der Mitglieder ist bei BlaBlaCar und Mitfahrgelegeneheit.de entweder Mitfahrer zu finden oder eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Außerdem bietet BlaBlaCar viele weitere Funktionen, die teilweise sehr stark an ein soziales Netzwerk erinnern, wie z.B. das Erstellen eines persönlichen Profils mit Bild. Was BlaBlaCar jedoch im Vergleich zu Mitfahrgelegenheit.de funktional herausstechen lässt, ist die Bewertungsmöglichkeit, bei der nicht nur Mitfahrer die Fahrer bewerten können, sondern auch genau umgekehrt.

Die Erlösmodelle von BlaBlaCar und Mitfahrgelegenheit.de

Erlösmodelle sind ein wichtiger Bestandteil internetbasierter Geschäftsmodelle. Diese bestehen aus einer Erlösquelle und einer Erlösform.

Quelle: Eigene Darstellung nach Buchheit (2009, S. 73)

Quelle: Eigene Darstellung nach Buchheit (2009, S. 73)

BlaBlaCar

BlaBlaCar-Mitgründer Nicolas Brusson sagte in einem Interview mit t3n:

„Wir schließen kommerzielle Ambitionen der Nutzer per Geschäftsmodell aus.“

Von der Einführung in Deutschland bis 2016 war die Nutzung von BlaBlaCar sowohl für die Fahrtanbieter als auch die Fahrtsuchenden kostenlos. Auch war die Plattform inklusive App komplett werbefrei.

Doch wie wenn nicht durch Gebühren oder durch Werbung konnte sich BlaBlaCar dann finanzieren?

Die Antwort darauf ist relativ einfach, wenn man BlaBlaCar nicht nur innerhalb Deutschlands sondern international betrachtet. Jedes Land, in dem BlaBlaCar interagiert, bildet einen eigenständigen Markt. Und jeder Markt wiederum beinhaltet sein eigenes Erlösmodell. So ist es in den meisten Ländern normal, dass mit der Plattform eine Onlinebezahlfunktion als „Paid Service“ (Erlösquelle) angeboten wird, welche pro Nutzung, also „Pay-per-use“, eine geringe Gebühr für die Fahrtsuchenden verlangt (Erlösform). Diese Onlinebezahlfunktion wurde 2016 zuerst kostenfrei, doch dann auch gegen Gebühr im deutschen Markt eingeführt. Neben dem finanziellen Ausgleich aus den anderen Märkten in den ersten drei jahren, erhielt BlaBlaCar im Juli 2014 eine Finanzierung von 100 Millionen US-Dollar.

Mitfahrgelegenheit.de

Mit der Erhebung von Gebühren für Fahrtanbieter hatte Mitfahrgelegeneheit.de ebenfalls als Erlösquelle „Paid Service“ und „Pay-per-use“ als Erlösform. Die Gebühr wurde immer dann fällig, wenn ein Fahrer eine Fahrt bei der Plattform einstellte. Dieses Erlösmodell klingt solange plausibel, bis ein Mitbewerber den gleichen Service komplett kostenlos anbietet. Warum Mitfahrgelegenheit.de dieses Erlösmodell nach dem Erscheinen des Konkurrenten BlaBlaCar eingeführt hat, ist entweder mit Blindheit oder mit der Ansicht, „wir verlassen das sinkende Schiff und versuchen noch so viel wie möglich mitzunehmen“, zu erklären.

Was du davon lernen kannst

Für den Aufbau deiner eigenen Online-Community – sei es in bestehenden Netzwerken oder als eigenständige Plattform – kannst du von „BlaBlaCar versus Mitfahrgelegenheit.de“ folgendes lernen:

  1. Du brauchst die „kritische Masse“ an Mitgliedern
    Das Wachstum einer Online-Community wird an der Anzahl der Mitglieder gemessen. Daraus resultiert auch der Erfolg einer Online-Community. Ist die kritische Masse einmal erreicht, entsteht durch Netzwerkeffekte ein exponentielles Wachstum. Je mehr aktive Mitglieder deine Community hat, desto attraktiver wird diese für potentielle Mitglieder. BlaBlaCar erreichte die kritische Masse unter anderem durch das Angebot einer App, wodurch gezielt auch die mobilen Internetnutzer „bekehrt“ wurden.
  2. Du brauchst die „kritische Masse“ an Content

    Genauso wichtig wie die kritische Masse an Mitgliedern ist die kritische Masse an Content. Bei BlaBlaCar und Mitfahrgelegenheit.de wurde der Inhalt von den Fahrtanbietern erzeugt, welcher Voraussetzung für die Fahrtsuchenden war, überhaupt der Community beizutreten. Auf der anderen Seite sind die Fahrtsuchenden jedoch genauso wichtig für die Fahrtanbieter. Bei Mitfahrgelegenheit.de stellten, aufgrund der Gebühren, immer weniger Fahrer Fahrtangebote ein. Wegen dieses fehlenden Contents, konnte man das Abwandern der Fahrtsuchenden sehr genau beobachten.

  3. Du musst die „ich-will-alles-kostenlos-Einstellung“ beachten

    Durch die Masse an Angeboten und der generellen Beitragsfreiheit bei Online-Communities sind Mitglieder grundsätzlich nicht bereit, Gebühren zu bezahlen. Weist deine Community jedoch eine starke Nachfrage oder ein Alleinstellungsmerkmal auf, kannst du trotzdem Gebühren erheben. Die finanzielle Basis von Online-Communities sollte aber nicht von Mitgliedererlösen abhängig sein.

  4. Du musst den Markt im Auge behalten

    Um eine dynamische Mitgliederabwanderung mit Gruppeneffekten zu vermeiden, musst du Missverhältnisse zwischen auferlegten Kosten und Attraktivität des Angebots vermeiden. Dies entsteht z.B., wenn wie bei Mitfahrgelegenheit.de ein Konkurrent den gleichen Service kostenlos anbietet.

In diesem Sinne: Gute Fahrt!

Datenvisualisierung von Erneuerbaren Energien

am 14 Feb 2015 in Projektarbeiten & Studien von
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Aufgabe der Projektarbeit in der Vorlesung “Multimediales Informationsdesign” bei Dipl.-Des. Lothar B. Blum war es, Print-Berichte zu verschiedensten Themen interaktiv umzusetzen. Interaktives Informationsdesign und Storytelling standen dabei im Fokus.

Folgende Themen standen zu Auswahl:

  1. Erneuerbare Energien in Europa
  2. Klassifizierung von Nutzertypen in Deutschland
  3. Wohnungseinbruchdiebstahl in Deutschland

Neben der einfachen Darstellung komplexer Datensätze, musste auf Gestaltung und Bedienbarkeit des Prototypen geachtet werden.

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Google Online Marketing Challenge (GOMC)

am 16 Okt 2014 in Projektarbeiten & Studien von
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Google Online Marketing Challenge (Logo)

Die Google Online Marketing Challenge (GOMC) ist ein von Google ausgerufener Wettbewerb, bei dem Studenten in Zusammenarbeit mit einem betreuenden Professor die Erstellung und Durchführung von Online-Marketing-Kampagnen erlernen. Dieses Jahr hat der Studiengang Onlinemedien mit einem eigenen Team aus dem sechsten Studiensemester teilnehmen dürfen. >> Weiterlesen

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Fotografieren – mehr als auf den Auslöser drücken

am 03 Okt 2014 in Projektarbeiten & Studien von
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Web Design, Onlinerecht, Typografie, Java, Unix, Multimediatechnik, Statistik… Bereits im ersten Studienjahr erhalten wir Einblicke in die verschiedensten Themen rund um Onlinemedien. Dazu gehört auch die Vorlesung Fotografie bei Alastair French, in der wir die Basics im Umgang mit einer Spiegelreflex-Kamera kennengelernt haben. Auch die Gedanken, die sich ein Fotograf vor dem eigentlichen fotografieren macht – Stichwort: Rules of Composition – waren Thema. >> Weiterlesen

Usability-Studie für das Beratungshaus MLP

am 28 Jul 2014 in Projektarbeiten & Studien von
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Unser erster Kontakt mit der normativen Kraft des Faktischen

Unser neuestes Studienprojekt zeigt wieder einmal, dass ein Onlinemedienstudent der DHBW-Mosbach auch im Verlauf der Theoriephase nicht zwangsläufig in eine fiktive Welt abtauchen muss, erschaffen von Professoren um Ihren Studenten die Probleme der realen Welt zu verdeutlichen. Stattdessen hatten wir auch im letzten Semester wieder die Gelegenheit, ein reales Fallbeispiel zu bearbeiten – diesmal für ein, mit mehr als 835.000 Privat- sowie rund 5.000 Firmenkunden, recht großes Unternehmen. Über den Kontakt des ehemaligen Onlinemedien-Studenten Frederik Bader ist der Finanzdienstleister MLP mit der Aufgabe an den Studiengang Onlinemedien herangetreten, eine Usability-Studie für ihren Financepilot durchzuführen. >> Weiterlesen

Der Ökotopia-Pitch: Von der Idee zur Präsentation beim echten Kunden

am 01 Jun 2014 in Projektarbeiten & Studien von und
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“Ich will, dass der Kunde bei Ihren Präsentationen vom Stuhl fliegt.” Dieses Ziel von Professor Dr. Thomas Wirth war enorm ambitioniert und erschien uns anfangs kaum machbar.  Wie sollten wir Onlinemedien-Studenten echte Kunden derart begeistern? Doch wir haben uns dieser Aufgabe gestellt und am Ende hat sich der Aufwand mehr als gelohnt.
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